Vielen Dank für diese Auszeichnung für einen herausragenden Beitrag zur Publizistik.

Es heißt, die Wahrheit zu sagen sei kein Weg um Freunde zu gewinnen. Es heißt, dass sich das australische Volk nichts aus der Wahrheit mache. Nun, das ist falsch. Die australischen Menschen wollen die Wahrheit über den Krieg wissen. Sie wollen wissen, wem sie vertrauen können. Sie wollen wissen, wie sich die Welt um sie herum geformt hat. Sie wollen einen Weg durch die Unklarheiten und Lügen finden. Ja, unsere Arbeit hat uns eine Menge mächtige Feinde eingebracht. Aber sie hat uns auch gute Freunde gebracht. Sie hat das Beste aus den Menschen hervorgebracht: Mut, Loyalität, Mitgefühl und Stärke. Und heute Abend möchte ich Ihnen und der Walkley-Stiftung danken, dass sie diese Werte zeigen, als Journalisten und als Australier, indem sie Wikileaks zur Seite stehen in der Stunde der Not, nicht in fünf Jahren, sondern heute, wenn es zählt. Und ich möchte all jenen danken, die uns weiterhin beistehen – unseren Quellen, unseren Spender, unseren Verteidiger, ohne die wir nichts tun könnten.

Wir Journalisten geben unser Bestes, wenn wir gemeinsam mit Aktivisten und Anwälten das Ziel verfolgen, Illegalität und Fehlverhalten zu entlarven und wenn wir dazu beitragen, andere zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Auszeichnung ist ein Zeichen der Ermutigung für unser Volk und für andere Menschen, die unter schwierigen Bedingungen hart an dieser Aufgabe arbeiten. Unser Leben ist bedroht worden, Versuche uns zu zensieren wurden unternommen, Banken haben versucht unsere finanzielle Lebensader abzuschneiden. Eine beispiellose Banken-Blockade hat uns gezeigt, dass Visa, MasterCard, PayPal, die Bank von Amerika und Western Union bloße Werkzeuge der Washingtoner Außenpolitik sind. Zensur ist auf diese Weise privatisiert worden. Mächtige Feinde sondieren das Terrain, um zu sehen, wie viel sie sich erlauben können, um zu sehen, wie sie das System missbrauchen können, in das sie eingebunden sind, um eine genaue Prüfung zu verhindern. Nun, die Antwort ist: sie kommen mit zu viel durch. Ich hatte die Hass-Rede auf Fox News erwartet, aber nicht die Aufrufe der US-Senatoren zu der außergerichtlichen Ermordung von mir und meinen Mitarbeitern. Auch hatte ich nicht erwartet, dass die Vereinigten Staaten so aggressiv ihre eigene Verfassung untergraben würden, um mich und meine Organisation zu verfolgen. Aber ich kann die Reaktion der Washingtoner Elite verstehen. Washington führt einen Krieg gegen die Wahrheit. Es war schließlich die Wahrheit über Washington und ihre Freunde, die wir aufdeckten.

Was ich nicht verstehen kann ist das feige Verhalten der australischen Premierministerin Julia Gillard. Es ist peinlich. Glaubt sie wirklich, sie können Obamas Stellvertreter werden und dann mit seinen Freunden und seinem Job davonlaufen, in der gleichen Weise wie sie es mit Kevin Rudd und so vielen vor ihm getan hat? Dieses Mal wird das nicht funktionieren. Die US-Verfassung wird es nicht zulassen. Es ist an der Zeit, dass Julia Gillard aufhört an der Macht zu saugen und damit beginnt die Macht die sie hat zum Wohle des australischen Volkes einzusetzen. Letztes Jahr um diese Zeit hat Julia Gillard eine absurde, absurde Regierungsarbeitsgruppe gegen uns in Auftrag gegeben, die aus der ASIO, ASIS [beides australische Geheimdienste], dem Verteidigungsministerium, dem Büro des Generalstaatsanwalts und der australischen Bundespolizei besteht. Die Ministerpräsidentin hat fälschlicherweise angegeben, WikiLeaks habe illegal gehandelt. Die AFP [australische Bundespolizei] hatte die peinliche Aufgabe sie zu korrigieren. Der Generalstaatsanwalt erklärte, er versuche meinen Pass zu annullieren, während ich mich in einer schwierigen Notsituation befand. Nach dem Druck der australischen Bevölkerung und den australischen Medien, gab McClellan nicht zu, dass dies falsch war, sondern sagte, dass es hilfreich für die Rückverfolgung meiner Bewegungen war. Als ich für unsere Arbeit mit dem Sydney-Friedenspreis ausgezeichnet wurde, weigerte sich die australische Botschaft, ihn auszurichten. Diese und andere Taten werden eine schändliche Erinnerung im australischen Journalismus sein.

Wir wurden geschmiert und von mächtigen Gruppen aus den Vereinigten Staaten, einschließlich des US-Außenministeriums und der Bank of America angegriffen. Eine Grand Jury in Washington versucht nun schon seit einem Jahr mich und unsere Mitarbeiter wegen Spionage anzuklagen. Eine unserer mutmaßlichen Quellen, der junge Geheimdienstanalysten Bradley Manning, wurde in Isolationshaft und unter unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen festgehalten. Der UN-Sonderberichterstatter für Folter und Amnesty International wurden gleichermaßen davon abgehalten ihn zu sehen. Ich meinerseits habe mehr als 350 Tage unter Hausarrest verbracht. Ich wurde keines Verbrechens in irgendeinem Land angeklagt, aber mein Name wird fortlaufend beschmutzt. Unsere Unterstützer in den USA, in Großbritannien und in Europa wurden bei mehr als 78 Razzien massenhaft festgenommen.

Die Reaktion auf Wikileaks hat gezeigt, dass solche Angriffe im Westen nicht weniger bösartig sind als in anderen Teilen der Welt. Sie sind schlicht ausgefeilter. Washington hat sich zu einem Imperium nicht nur der Kraft, sondern der Lügen entwickelt. Die australische Regierung hat sich geweigert zu sagen, ob sie meine Auslieferung in die Vereinigten Staaten blockieren wird, aber sie hat bestätigt, dass es in ihrem politischen Ermessensspielraum liegt dies zu tun. Die Gillard-Regierung hat ihr wahres Gesicht in Bezug darauf gezeigt, wie sie den US-Druck auf Wikileaks handhabt.

Die australischen Journalisten sind mutig, die australischen Menschen sind unterstützend, aber Julia Gillard ist ein feiger australischer Premierminister. Als Australier sollten wir aber nicht verzweifeln; so lange wir frei unsere Meinung sagen, solange wir veröffentlichen können und so lange das Internet frei ist, werden wir zurückschlagen, gerüstet mit der Wahrheit.

 

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